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Religiöse Entwicklung der Menschheit

 

Religion spielt beim Menschen eine immense Rolle - wenn denn die archäologischen Funde richtig interpretiert werden. Religiöses Denken hat sich entwickelt - freilich unterschiedlich. Wir sehen aus unserer Perspektive nur, dass sich im Westen bis jetzt der Monotheismus (Ein-Gott-Glaube) durchgesetzt hat, in Asien vielfach Polytheismus (Mehr-Gott/Götter-Glaube) vorherrschend ist. Doch auch monotheistische bzw. polytheistische Religionen sind vielfach noch von alten Traditionen durchzogen: Geisterglaube (Animismus, Schamanismus). Es stellt sich die Frage, warum der Mensch im Grunde seines Wesens religiös eingestellt ist. Die von Wissenschaftlern geäußerte Vermutung:

 

Der religiöse Mensch hat evolutionäre Vorteile gegenüber nicht religiösen Menschen.

 

 

Die Entwicklung der Menschheit (mit Schwerpunkt: Religion)

 

Vor 7 (Saheanthropus) bis 4,4 (Australopitecus) Millionen Jahren soll es menschenähnliche Wesen gegeben haben - die Wissenschaft ist sich noch nicht so sicher.

Vor 3,4 Millionen Jahren soll der Mensch (Australopithecus afarensis) schon Werkzeuge benutzt haben, wie ein neuer Fund von Kratzspuren auf Knochen aus Äthiopien belegt.

Vor 2,4 Millionen Jahren: Beginn der Altsteinzeit: Opferungen von Tieren – Tiere wurden mit Steinen beschwert und ins Wasser versenkt. Ackerbau und Tierhaltung = Beginn der Jungsteinzeit.

 

Vor 2 Millionen Jahren: Entwicklung eines Sprachsystems schon beim homo habilis? Wir wissen es nicht. Der Mensch hat als einziges Lebewesen die genetische Möglichkeit zu sprechen (Variante des Gens FOXP2), nicht nur unterschiedliche Laute auszustoßen oder mit Zeichen und Düften usw. zu kommunizieren. Wobei dieses Gen jedoch nicht als einzige Ursache der Fähigkeit zu sprechen angesehen wird. Bedeutung der Sprache wird auf jeden Fall als relevant angesehen, wenn es um die Weitergabe von Fertigkeiten geht (z.B. Herstellen von Faustkeilen…) und um religiöse Handlungen auszuüben. Wobei es nicht nachweisbar ist, dass Menschen, denen das Sprechen nicht beigebracht wird, auch von sich aus sprechen können - trotz des Gens. Das heißt: Es ist im Grunde noch ungeklärt, wie es dazu kam, dass der Mensch sprechen kann. Wie dem auch sei: Die Freude am Sprechen hatte ungeahnte Folgen…

 

Vor 1,76 Millionen Jahren: Herstellung von Faustkeilen.

 

Seit 1 Million Jahre mögliche gezielte Verwendung und Entfachung von Feuer (Homo erectus - Wonderwerk-Höhle in Südafrika)? Sicher ist: Vor 790.000 Jahren: Eine Fundstelle weist auf Nutzung des Feuers durch homo erectus hin (Nordisrael). Feuer hatte zur Folge: Schutz vor Tieren, Auftauen von eingefrorenen Tieren, Haltbarmachung von Nahrung, Verbesserung der Jagdmethode, Härtung von Werkzeugen). Feuer – Licht als Teil der Religionen: Opfer/Feuerkulte – bis hin zu den Römern (Vesta), Bedeutung von Feuer bei Theophanien (Moses), Feuer als Verkörperung eines Gottes (Hinduismus: Agni; Christentum: Heiliger Geist). Vor ca. 500.000 Jahren Speere aus Stein in Südafrika.

 

Diese und folgende Jahresangaben/Zeitangaben variieren in der Forschung massiv, weil es sich um Interpretationen von Funden handelt - und es werden immer neue Funde und Interpretationen veröffentlicht. Hier wird nur eine Übersicht geboten - bitte die Quellen selbst mit Hilfe von Suchmaschinen erschließen. (Stand Juni 2011 - einzelne Informationen wurden in den Folgejahren erneuert und ergänzt.)

 

 

  • Vor 250.000 Jahren: Venus von Berekhat Ram (Israel): Von Menschen gemacht?
  • Vor 160.000 Jahren: Der unbestritten älteste moderne Mensch.
  • Seit ca. 140.000 Jahren - 100.000 v. Chr.: Älteste Grabbeigaben – vermehrt seit 100.000 Jahren (?). Gräber und Grabbeigaben bedeuten: Der Tod wird reflektiert. Ältestes erhaltene Grab (Nordisrael).

 

  • 98.000 v.Chr.: Ältester Einsatz von Speeren = Distanz schaffen zur gefährlichen Beute.
  • Ca. 75.000 v.Chr. Rot bemalte durchlöcherte Muscheln als Grabbeigabe (Israel) und in Südafrika wurden Kreuzschnitzereien in Stein entdeckt und Ocker, um Ockerpaste herzustellen.
  • Ca. 60.000v.Chr.: Zeichen auf Straußeneiern aus Südafrika weisen auf den Beginn abstrakten Denkens.
  • Ca. 44.000 v.Chr. Homo Sapiens trifft in Europa auf den Neandertaler.

 

  • Seit ca. 40.000 Jahren: Höhlenmalereien (magisch-kultische Funktion?).
  • Ca. 35.000 v.Chr.: Pyritknollen zum Feuermachen (Vogelherdhöhle).
  • Ca. 32.000-19.000v. Chr. Domestizierung des Wolfs (in Europa).
  • Ca. 33.000 v.Chr.: Elfenbeinwerkstatt in Sachsen-Anhalt. Werkstatt ist nicht in einer Höhle, sondern auf einem freien Gelände, das heißt der Mensch konnte Räume gestalten. Venus von der Schwäbischen Alb (älteste Frauenfigur – Fruchtbarkeitsgöttin?). Ebenso wurde eine Flöte entdeckt.
  • Ca. 32.000v.Chr.: Wildpferd und andere geschnitzte Figuren wurden dort hergestellt (Hinweise auf Schamanismus?). Breitenbach: Elfenbeinwerkstatt. Perlen+Kunstgegenstände (?) hergestellt.
  • Ca. 12.000-10.000v.Chr.: Doppelgrab bei Bonn/Kassel: Grabbeigabe: Haarpfeil. Ende der Würmeiszeit (Nordgletscher und Alpenvorlandgletscher).

 

  • 9.000v.Chr.?: Ältester Tempel auf dem Gebiet der heutigen Türkei (Südosten).
  • 9.000-7.000v. Chr.: Älteste Stadt? (Jericho) / 7.500 älteste Siedlung in Indien.
  • 8.000v.Chr.: Beginn der Landwirtschaft im vorderen Orient mit Ende der letzten Eiszeit.
  • Ca. 7.000v.Chr.: Verwendung von Metallen (vorher: Steinzeit): Kupferzeit beginnt im heutigen Anatolien – in Mitteleuropa seit
  • Ca. 6.000v.Chr.: Domestizierung des Wildpferdes und des Greifvogels in Südrussland.
  • Ca. 4.000v.Chr.: Erfindung des Rads (Sumerer – bzw. gleichzeitig an unterschiedlichen Orten; Wagendarstellungen um 3.500 aus dem Voralpenland, Kaukasus, Indus, Mesopotamien).

 

  • Seit ca. 3.500v.Chr.: Stadtstaaten mit Priesterkönigen an der Spitze. Stadtzentren werden zu heiligen Bezirken, Tempelanlagen usw. Sumerische Keilschrift gilt als die älteste Schrift.
  • 3.400-2.800v.Chr.: Germanische Funde: Hünengräber
  • Seit 3.200 v.Chr.: Hochkulturen (Bronzezeit) (seit dieser Zeit häufen sich die Funde aller Art und fast überall auf der Erde): ausgeprägte Götterwelten und Mythen… Mesopotamien – sumerische Religion (schon seit ca. 4.000) zählt zu den ältesten Religionen, von denen wir schriftliche Zeugnisse haben. Zahlreiche Motive finden sich – angepasst an den jüdischen Glauben – im Alten Testament wieder: Schöpfung, Turmbau…; schriftliche Zeugnisse auch ab 3.200 aus Ägypten und ab 2.500 v.Chr. aus dem Industal.
  • Ca. 3.100-2.500v.Chr.: Frühphase der Anlage von Stonehenge (Totenkult? Landwirtschaft? Sonnenkult?).
  • 3.000v.Chr.: Streitwagen der Sumerer mit Scheibenrädern – ab 2.000v.Chr. leichtere Streitwagen mit Speichenrädern.
  • 3.-2. Jahrtausend: Älteste Siedlung von Germanen (Jütland).
  • Ca. 2.600v.Chr.-1600v.Chr.: Edelsteinhandel zwischen Induskultur und Sumerern; Tauschhandel zwischen Nordeuropa und Mittelmeer (Bernsteinstraße). Grabbeigaben bei einer Feinmetallschmiedin (Schmuckherstellung: Amboss, Schlagsteine) (Geitzendorf)

 

  • 1.800v.Chr.: Abraham (ein Gott ruft den Nomaden aus dem Götterkult in Ur, dem heutigen Irak in das neue Land: das heutige Israel).
  • 1810-1750v.Chr.: König Hammurapi von Babylon: Codex Hammurapi, Text in altbabylonischer und akkadischer Sprache auf einer Stele mit ca. 281 Paragraphen. Beginn (?) der Herleitung eines Gottkönigs von der Gottheit.
  • 1.700-1.200v.Chr.: Beginn der Eisenzeit in Kleinasien (in Mitteleuropa ca. 900v.Chr.).
  • 1.600v.Chr.: Himmelsscheibe von Nebra.
  • 1.600-1.000v.Chr.: Shang-Dynastie in China: erste schriftliche Zeugnisse aus Ostasien (schamanistisch).
  • 1.500v.Chr.: Erste germanische Figur in Jütland (Phallus-Idol).
  • Ca. 1.340v.Chr.: Regierungszeit Echnatons/Ägypten: Versuch, Aton als Sonne zum Gott über alle Götter zu erheben
  • Ca. 1.300v.Chr.: Moses: Betonung der Existenz eines einzigen Gottes, der Israel aus der Sklaverei befreit hat; Zehn Gebote (– möglicherweise als Zusammenfassung des Gesetzes im Laufe der nächsten Jahrhunderte entstanden?).
  • Seit 1.200v.Chr.: Vedische Religion: Rigveda (Hymnen des Hinduismus - wurden allerdings erst viel später verschriftlicht).
  • Seit 1.000v.Chr.: David/Salomo – Beginn der schriftlichen Aufzeichnungen der Traditionen, die wir im Alten Testament finden.
  • Ca.1.000v.Chr.: Eichenholzidole von Mann+Frau aus dem Aukamper Moor.
  • Ca. 800v.Chr.: Homer – in diesem Zeitraum wird auch der Beginn des antiken Griechenland datiert / Wirken des Propheten Amos: Sozialkritik. (Man vergleiche: erste schriftlichen Hinweise der Germanen erst ab: 200 n.Chr.; 4.Jh.n.Chr. entwickelte Wulfila eine eigene gotische Schrift, um die Bibel übersetzen zu können.)
  • Ca. 600v.Chr.: Beginn des Aufstiegs Roms.
  • 600v.Chr.: Leben Buddhas = Siddharta Gautama: Buddha hat Angst vor Göttern genommen und den Rückzug des Menschen in sich selbst gelehrt (vorliegende buddhistische Schriften sind erst späteren Datums).
  • Ca. 600v.Chr.: Griechenland: Vorsokratiker = Beginn der westlichen Philosophie – Frage nach dem Urstoff/Urprinzip aus dem alles entstanden ist in Verbindung mit Ethik und Religion; Beginn der Götterkritik.
  • 5.Jh.v.Chr.: China: Konfuzius (Ahnenkult und Verhaltensmaßstäbe).
  • 4.Jh.v.Chr.: Alexander der Große: Mischung von Ost+West gefördert.
  • 7-4v.Chr.: Geburt Jesu von Nazareth; Jesus hat Angst vor Gott genommen. Wichtig war ihm die Liebe Gottes; er hat Maßstäbe gesetzt für den Umgang der Menschen untereinander; er hat den Individualismus gefördert: Jeder ist für sich selbst vor Gott verantwortlich, nicht die Gruppe, Familie usw.